Aus dem Kulturschnipsel 1/2008: Interview Udo Bochinger
Der neue Schulleiter Udo Bochinger stellte sich den Kulturschnipselreportern Lucas Eiler, Seyma Isik und Albert Schatz. Mit Fotos von Joshua Schimkowski.
Warum sind Sie Lehrer geworden?
Weil ich das immer wollte. Schon als Schüler wollte ich Lehrer werden. Ich hab schon immer gern mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet. Ich hatte von Anfang an ein Ziel und ich wollte schon immer Englischlehrer werden, weil ich selber einen tollen Englischlehrer hatte in meiner Schulzeit.
Waren Sie in Ihrer Schulzeit eher ein Musterschüler oder der Klassenclown?
Weder noch. Ich war weder der Musterschüler, noch der Klassenclown, mehr so mittendrin. In manchen Fächern war ich gut, sehr gut, in manchen Fächern war ich mittelmäßig. Richtig schlecht war ich glaub ich nicht, aber … Spaß hatten wir auch, aber ich war kein Clown.
Wir haben erfahren, dass Sie dem Gymnasium Plochingen ein Logo und einen Namen geben wollen, welcher Gedanke steckt da dahinter?
Das hab ich so nie gesagt! Ich hab gesagt, dass die Schule kein eigenes Logo hat – das ist nur das Stadtwappen. Das war ein Interview mit der Stuttgarter Zeitung. Ich hab das so nie gesagt, selbst wenn das so in der Zeitung steht. Äh, das mit dem Namen, das hatte ich gefragt, ob die Schule schon mal überlegt hatte, einen Namen zu bekommen, aber dann hab ich vom Bürgermeister gehört, dass man eigentlich sehr zufrieden ist mit dem Namen “Gymnasium Plochingen”.
Damit kann man, denk ich, auch gut leben. Trotzdem find ich, dass man ein bisschen darüber nachdenken könnte, ob bestimmte Einrichtungen in Plochingen nicht ein gleiches Logo kriegen könnten. Also alle Schulen – dass man die gleichen Farben hat, oder dass man irgendetwas hat, das uns als Gymnasium Plochingen erkennbar macht, denn das Logo, das wir bisher haben ist schwarzweiß. Das ist ja dieses gelb-blaue Wappen, aber das Wappen steht eigentlich für die Stadt Plochingen, nicht für die Schule. Da könnte man nochmal überlegen, aber das ist jetzt nicht unbedingt etwas, was ich durchsetzen muss oder will. Das kann sein, muss aber nicht sein.
Damit wären wir auch schon bei unserer nächsten Frage: Welche Neuerungen bringen Sie als neuer Schulleiter mit sich?
Neuerungen … erstmal: Gar nix. Erstmal guck ich mir die Schule an und hab schon festgestellt, hier und da könnte man was anders machen. Also ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass man anfängt, in der fünften Klasse einen bilingualen Zug aufzubauen. Also eine Klasse wenigstens mal, vielleicht auch zwei, wo Englisch, zum Beispiel in Erdkunde oder im Biologieunterricht unterrichtet wird. So, wie wir jetzt ja die Streicherkklasse haben. In diese Richtung könnte ich mir was vorstellen. ich könnte mir auch vorstellen, dass man ein bisschen mehr arbeitet im Bereich Umwelterziehung. Energiesparende Schule, da passiert auch no nix. Aber das geht nicht nur von mir aus, das müssen alle wollen und das muss auch die Schülerschaft wollen, dann könnte man mal sehen.
Hat Sie das Heimweh zurück ins Ländle gebracht?
Ööm, auch. Aber Heimweh kann ich eigentlich schlecht sagen, weil ich mich eigentlich überall zuhause fühl wo ich bin. Aber ich war auch gern in Amerika, jetzt hab ich gerade ein bisschen Heimweh nach Amerika. Ich hatte auch jahrelang Heimweh nach Schweden. Ja, ich fühl mich zu Hause, wo ich bin, aber es hat mich schon auch wieder gefreut, nach Deutschland zurückzukommen.
Wie würden Sie sich in einem Satz beschreiben?
In einem Satz, … ähm … selbstbewusst, zielstrebig, äh, und sehr auf Harmonie aus; Ich kann keinen Streit vertragen und auch keine Unehrlichkeit.
Okay. Aus einem Interview mit dem Guckloch, der Schülerzeitung vom WHG (Werner Heisenberg Gymnasium (Wendlingen)) haben wir erfahren, dass sie leidenschaftlicher Schweinesammler sind. Was hat es damit auf sich?
[Lacht] Eigentlich gar nicht viel. Also jeder hat mal angefangen, was zu sammeln. Ich hab Bierdeckel am Anfang gesammelt, Streichholzdosen … und irgendwann bin ich auf Schweine gekommen, weil … ja … einen Ursprung hat es vielleicht doch. Während des Studiums in Tübingen. Das englische Seminar liegt nämlich direkt neben dem Schlachthof. Und immer Montags fing das Quieken an und ich wusste, die armen Schweine! Die werden zum Henker geführt – und Schweine sind sehr menschenähnlich. Was die Organe
angeht, und auch ein bisschen, was die Sensibilität angeht. Und ich hab dann gehört vom Schlachthof, dass Schweine oft an Herzinfarkt sterben bevor sie zum Metzer kommen, weil sie spüren, dass mit ihnen etwas passiert. Das war ein Grund, warum ich die Schweine so ins Herz geschlossen habe und weil sie auch nett aussehen. Ich hab eine riesige Schweinesammlung – bei allen Gelegenheiten habe ich Schweine geschenkt gekriegt. Inzwischen ist es mir fast zu viel. Ich bin jetzt nicht mehr so erpicht, aber das war einige Jahre ein Hobby. In meiner Schule in New York hatte ich ganz viele Schweine. Aber hier hab ich kaum Möglichkeiten, was abzustellen, weil das nur glatte Wände sind und da will ich auch Bilder haben. Aber es gibt hier nicht viele Möglichkeiten, Schweine zu stellen oder zu hängen. Ich hab auch hängende Schweine, Engelsschweine und so.
Essen Sie trotzdem Schweinefleisch?
Natürlich, gerne.
Was sind Ihre Hobbies?
Hobbies .. also ich schreibe sehr gern. Ich male, ich reise sehr gern und ich fotografiere. Sport ist nicht mehr so, weil ich nicht mehr ganz so fit bin. Volleyball, das ist mein Sport.
Sind Sie da auch in einem Verein?
Nee. Bin ich zu alt dafür.
Was war Ihr erster Eindruck von Gymnasium Plochingen?
Der allererste Eindruck war, dass das Schulgelände ziemlich zugemüllt war. Überall liegen Papier und Dosen und relativ viel Dreck, kaputte Flaschen, das war mein allererster Eindruck und auch dass es natürlich ein Komplex ist mit vielen Gebäuden, unterschiedlichen Gebäuden, sehr viel Beton. UNd auch, dass wenn man ins Gebäude geht, dass es relativ dunkel ist. Also ich bin ein Mensch, der die Helligkeit liebt und das ist in anderen Gebäudeteilen etwas anders.Also wenn man den Anbau sieht vorne, der ist heller, weil er auch den Blick über die Stadt hat. Das ist mir aufgefallen. Aber eben auch die Größe, dass die gar nicht so auffällt, weil die Schule sehr schön in den Hang hinein gebaut ist, so stufenmäßig. Das fällt nicht auf, wie viele Räume hier eigentlich untergebracht sind..
Es kursieren Gerüchte, Sie wollten aus dem Gymnasium Plochingen eine Eliteschule machen – das ist sicherlich nur ein Gerücht, oder?
[Lacht] Das ist doch schon eine Eliteschule. Nein, das ist sicherlich ein Gerücht. Also der Elitegedanke ist nicht mehr so verpönt wie das mal vor ein paar Jahren war, aber ich denke, dadurch, dass wir Neigungsfächer haben in der Oberstufe, dass wir auch, ja, begabte Schüler durchaus fördern. Das reicht. Mehr muss man da nicht haben. Die Schule soll für die breite Schülerschaft zugänglich sein und nicht elitär sein.
Gibt es Unterschiede zwischen dem Gympl und der DSNY (Deutsche Schule New York)?
Ja, also der größte Unterschied sind die Schüler. Hier bleiben die Schüler in der Regel acht oder neun Jahre und die Klassen verändern sich kaum. In New York wechseln die alle drei Jahre etwa. Die Schüler gehen nach drei Jahren woanders hin. Die Lehrer wechseln sehr viel. Ein ander Unterschied ist, dass an der Schule in New York ein großes, großes Außengelände war, mit einem Park, einer Wiese und tollen Sportanlagen. Und dass die Schülerschaft natürlich viel kleiner ist, dort waren nur dreihundertsiebzig Schüler und in den Klassen saßen teilweise nur fünfzehn. Das ist hier anders. Auf der anderen Seite gibt es hier keine Konkurrenz, ich hab hier an der Schule nicht Rücksicht zu nehmen auf – zum Beispiel in Amerika musste ich auf die amerikanische Politik Rücksicht nehmen, nicht nur die Deutsche. Hier achtet man nur auf das MInisterium in Stuttgart, auf das, was das Land sagt.
Haben Sie in den USA auch Promis getroffen?
Ja, hab ich auch, also einen vorallendingen, den Kevin Costner. Von dem hab ich mir auch ein Autogramm geben lassen, den hab in in Hollywood getroffen. Ich hab Hillary Clinton auch getroffen. Im Zug. Da saß ich ihr gegenüber. Und auch andere, die ich alle nicht mehr kenne, das sind Schauspieler , sind Musiker. Man trifft da einfach immer wieder Leute.
In einem Interview erwähnten Sie auch, Ihr heimlicher Traum sei, mit einer Harley quer durch Amerika zu fahren. Ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen?
Nein, leider nicht, aber ich bin die Route 66 mit dem Auto gefahren. Mit der Harley leider nicht, weil da die Familie leider nicht mitgemacht hätte. Ja, da muss man halt ein bisschen jünger sein, wobei die Motorradfahre in Amerika etwa schon mein Alter haben, aber das ist Kult, also einmal quer durch Amerika mit ‘nem Motorrad hab ich nicht geschafft, nee. Ich bin auch nicht die ganze Route 66 gefahren, nur einen Teil.
Welchen Tipp würden Sie denn den Schülern für die Klassenarbeiten geben?
Regelmäßig mitmachen im Unterricht, da muss man auch nicht extra lernen äh, und sich ‘nen guten Pfuschzettel anlegen, den man dann aber nicht benutzt. Aber das Anlegen eines Pfuschzettels ist die beste Vorbereitung, glaub ich.
Was hören Sie am liebsten für Musik?
Popmusik der sechziger und siebziger Jahre.
Was ist Ihre Lieblingsfarbe und warum?
Blau. Weiß nicht, warum. Blau werdet ihr öfters bei mir finden, ich mag aber auch andere Farben. Ich mag eigentlich generell Farben, wie man an diesem Bild auch sieht[weißt auf ein buntes Bild]. Das hat man extra so bunt für mich gemacht.
Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Buch? Mein Lieblingsbuch ist der … “Lord of the Flies” – der “Herr der Fliegen”. Das ist ein englisches Buch von Golding. Aber es gibt viele Lieblingsbücher. Da gibt’s auch andere.
Gibt es irgendein Zitat, das Sie bewegt?
Nee, ich kann mir schlecht Zitate merken. Also ich sag selber immer “Wenn ich nicht will, dass ich was tu, dann leit ich’s einem andrem zu.” Das ist so das Grundprinzip des Deligierens. Dass wenn man in einer führenden Position ist, … aber das ist heute selbstverständlich, dass man deligiert.
Was war Ihr schlimmstes Ereignis, welches mit Schule zu tun hat?
Ähm, das war, als in Galtür, in Österreich ein Lawinenunglück war und da sind sehr sehr viele Menschen umgekommen und da war eine ganze Familie meiner vorigen Schule in Göppingen dabei. Zwei KInder, die auf unsere Schule gegangen sind und das war schlimm, weil die Beerdigung, die ganze Schülerschaft da war und das war sicherlich so das tragischste und das schnlimmste.
Gibt es hier jetzt mehr zu tun als an der vorherigen Schule?
Hier? Anders, würd ich sagen. Es ist am Anfang jetzt mehr, weil sehr viele Veranstaltungen sind, sehr viele Elternabende, sehr viele neue fünfte Klassen. Aber es ist anders. Ich hab in der Schule vorher mehr mit Eltern zu tun gehabt. Tägliche Elterngespräche. Hier sind es hauptsächlich dei Klassen, es gibt sehr viele Klassen, sehr viele Lehrer, die ich kennenlernen muss. Es ist anders, ein bisschen anders.
Was würden Sie uns gerne allen mitteilen?
Ich finde es wichtig, dass man sich über die Unterrichtsfächer hinaus igendwo engagiert. Entweder in der SMV oder Schülerzeitung oder Streitschlichter oder was immer, weil man dadurch relativ viel lernt fürs Leben und gerade über Schülerzeitung oder Website kann man alles was man in der Schule gelernt hat igendwie praktisch umsetzen und gleichzeitig ist es die Teamarbeit, und da merkt man, dass das viel mehr Spaß macht, als dass man irgendwie nur isoliert lernt. Und Schülerzeitung hat was mit Deutsch zu tun, hat was mit Fotos zutun, hat was mit Kunst zutun, weil man layoutet, hat was mit Wirtschaft zu tun, weil man will die Schülerzeitung ja auch verkaufen, da muss man sich um Werbung kümmern, das ist vieles. Also das ist das ech
te Leben eigentlich. Und das echte Leben findet in der Schule eigentlich schon statt.
Würden Sie vielleicht noch einmal so etwas wie Schule als Staat machen?
Man muss darauf aufpassen, dass man so was nicht in zu kuzen Abständen wiederholt, aber das ist sicherlich ein Thema, dass man in bestimmten Abständen, alle fünf Jahre oder so, weil das einfach eine gute Erfahrung sein kann, aber es zieht auch unheimlich viel Energie weg von Lehrern, von Schülern, da muss die richtige Gruppe das wollen. Ich würde es nicht machen, nur weil’s auf dem Programm steht. Wenn das jetzt ein Seminarkurs oder was auch immer sagt, “Wir machen so etwas.”, gerne.
Wollen Sie bis zu Ihrem Ruhestand hier bleiben?
Vorraussichtlich, wenn ich nicht vorher sterbe. Und dann wünsch ich mir, dass der Chor singt.
Wir bedanken uns für das Interview.
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